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Behördenwegweiser

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Berufsanerkennung; Allgemeine Informationen

Wenn Sie einen beruflichen Abschluss im Ausland erworben haben und in Bayern in Ihrem Beruf arbeiten möchten, dann können oder müssen Sie Ihren ausländischen Abschluss anerkennen lassen.

Beschreibung

Anerkennungsverfahren

In Bayern besteht seit dem Jahr 2013 die Möglichkeit, in einem behördlichen Verfahren im Ausland erworbene Berufsqualifikationen anerkennen zu lassen. Das Anerkennungsverfahren erfolgt auf Basis festgelegter formaler Kriterien, wie z. B. Inhalt und Dauer der Ausbildung. In einem Anerkennungsverfahren führt die Anerkennungsstelle eine Gleichwertigkeitsprüfung durch. Dabei wird der ausländische Berufsabschluss mit der entsprechenden deutschen bzw. bayerischen Qualifikation (Referenzberuf) verglichen. Ein Antrag auf Berufsanerkennung kann nur gestellt werden, wenn ein im Ausland erworbener Berufsabschluss vorliegt. Un- oder angelernte Personen ohne einen formalen Berufsabschluss können keinen Antrag auf Anerkennung stellen. 

Reglementierte und nicht-reglementierte Berufe

Ob ein Anerkennungsverfahren zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs in Bayern zwingend notwendig ist, hängt davon ab, ob der entsprechende Referenzberuf reglementiert ist. Ein reglementierter Beruf ist

eine berufliche Tätigkeit oder eine Gruppe beruflicher Tätigkeiten, bei der die Aufnahme oder Ausübung oder eine der Arten der Ausübung direkt oder indirekt durch Rechts- und Verwaltungsvorschriften an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden ist; eine Art der Ausübung ist insbesondere die Führung einer Berufsbezeichnung, die durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften auf Personen beschränkt ist, die über eine bestimmte Berufsqualifikation verfügen.

Ist also der Referenzberuf nach der o.g. Definition ein reglementierter Beruf, ist die Anerkennung der ausländischen Qualifikation zwingend erforderlich, um in dem entsprechenden Beruf in Bayern arbeiten zu können. Reglementierte Berufe gibt es sowohl im Bereich der beruflichen Qualifikationen (z. B. Pflegefachmann/-fachfrau) als auch im Bereich der akademischen Qualifikationen (z. B. Arzt/Ärztin, Architekt/in, Sozialpädagogin/Sozialpädagoge, Ingenieur/in).

Ist der Referenzberuf nicht reglementiert, ist das Durchlaufen eines Anerkennungsverfahrens zur Aufnahme oder Ausübung des entsprechenden Berufs nicht zwingend erforderlich. Mit einer ausländischen Qualifikation in einem nicht reglementierten Beruf kann man sich auch direkt auf dem Arbeitsmarkt bewerben und eingestellt werden. Berufliche Qualifikationen, die nicht reglementiert sind, sind z. B. alle dualen Ausbildungsberufe, insbes. Berufe im Bereich der Industrie- und Handelskammern (IHK) (z. B. Bankkaufmann/-kauffrau, Industriekaufmann/-kauffrau) und im Bereich der Handwerkskammern (HwK) (z. B. Bäcker/in, Friseur/in). Das Anerkennungsverfahren ist in diesem Fall aber sinnvoll, damit für den Arbeitgeber die ausländische Qualifikation transparent und besser einschätzbar wird. Teilweise verlangt der Arbeitgeber auch explizit nach einer Anerkennung der Qualifikation.

Für akademische Qualifikationen, die nicht reglementiert sind, kann kein Anerkennungsverfahren beantragt werden. Stattdessen kann die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) in Bonn die akademische Qualifikation bewerten.

Anerkennungsstellen

Die Vielfalt der beruflichen Bildungsabschlüsse führt dazu, dass für die Anerkennung unterschiedliche Anerkennungsstellen zuständig sind. Welche Anerkennungsstelle zuständig ist, hängt von dem entsprechenden Referenzberuf und dem geplanten Arbeitsort ab. Ihre zuständige Anerkennungsstelle können Sie im Anerkennungsfinder des Anerkennungsportals herausfinden.

Beispiele für Anerkennungsstellen in Bayern:

  • Akademische Heilberufe (z. B. Arzt/Ärztin, Apotheker/in): Regierung von Oberbayern
  • Gesundheitsfachberufe (z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger/in bzw. Pflegefachmann/-fachfrau): Regierungen
  • Handwerksberufe: Handwerkskammern
  • Industriell-technische Berufe: IHK FOSA (Foreign Skills Approval)
  • Sozial- und Kindheitspädagogen: Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), Region Unterfranken

Beratungsstellen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Um für ein Anerkennungsverfahren bei einer Anerkennungsstelle optimal vorbereitet zu sein, ist es in den meisten Fällen sinnvoll, sich vorher bei einer Anerkennungsberatungsstelle beraten zu lassen. Mithilfe der Anerkennungsberaterinnen und -berater kann der Referenzberuf festgestellt werden, der maßgeblich dafür ist, welche Anerkennungsstelle zuständig ist. Darüber hinaus können bei den Anerkennungsberatungsstellen auch bereits die notwendigen Unterlagen auf ihre Vollständigkeit hin überprüft, Finanzierungsmöglichkeiten gefunden und Möglichkeiten der Qualifizierung identifiziert werden.

Anerkennungsberatungsstellen finden Sie in Bayern in

Alle vorgenannten Beratungsstellen bieten sowohl Beratung für Anerkennungssuchende als auch Unternehmen an.

Zudem bietet seit 1. März 2021 die Koordinierungs- und Beratungsstelle Berufsanerkennung (kurz: KuBB) bei der Regierung von Mittelfranken in Nürnberg Beratungsleistungen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen an. Die KuBB richtet sich an folgende Zielgruppen:

  • Unternehmen, die Fachkräfte aus Drittstaaten im Rahmen eines beschleunigten Fachkräfteverfahrens (weitere Infos hierzu unten unter „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“) rekrutieren wollen.
  • Anerkennungssuchende, die in Bayern arbeiten und ihre berufliche Qualifikation im Bereich der Gesundheitsberufe anerkennen lassen wollen.

Weitere Informationen zur KuBB und entsprechende Kontaktdaten erhalten Sie unter www.berufsanerkennung.bayern.de.  

Neben der Anerkennungsberatung besteht auch die Möglichkeit, sich bei den vorgenannten Beratungsstellen zu Qualifizierungs- und Anpassungsmaßnahmen beraten zu lassen. Alle Beratungsstellen sind kostenlos und können elektronisch, (video-)telefonisch oder persönlich alle Fragen zur Berufsanerkennung beantworten.

Wir empfehlen dringend, vor Einleitung eines Anerkennungsverfahrens eine der o.g. Beratungsstellen zu konsultieren! Eine direkte Antragstellung ohne Kenntnisse zum Ablauf des Verfahrens und den vorzulegenden Unterlagen kann zu (erheblichen) Verzögerungen führen.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Zum 1. März 2020 ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz sieht deutlich mehr Möglichkeiten für Fachkräfte aus Drittstaaten vor, nach Deutschland einzureisen. Z. B. bestehen Erleichterungen für Menschen mit beruflichen Qualifikationen, die bislang nur Menschen mit akademischen Abschlüssen offenstanden. Darunter fällt z. B. die Einreise zur Arbeitsplatzsuche (§ 20 Aufenthaltsgesetz). Maßgebliche Voraussetzung für einen Aufenthaltstitel ist die Eigenschaft als Fachkraft (mit beruflicher oder akademischer Ausbildung), deren ausländische Qualifikation anerkannt ist.

Mit dem Gesetz ist auch ein neues Einreiseverfahren entstanden: das beschleunigte Fachkräfteverfahren (§ 81a Aufenthaltsgesetz). Mithilfe dieses Verfahrens können Unternehmen, die bereits über Kontakte zu Fachkräften in Drittstaaten verfügen, diese einfacher und schneller nach Deutschland holen, um sie in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Bearbeitungsfristen für Behörden sind im beschleunigten Fachkräfteverfahren verkürzt (im Anerkennungsverfahren z. B. von drei auf zwei Monate).

Sind Sie als Unternehmen an der Durchführung eines beschleunigten Fachkräfteverfahrens interessiert und möchten Sie sich über den Verfahrensablauf informieren, können Sie sich an die Zentrale Stelle für die Einwanderung von Fachkräften (kurz: ZSEF) wenden. Betreffen die Fragen speziell den Bereich der Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen, können Sie sich an die KuBB wenden.

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Die FAQs zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen finden Sie auf der Seite www.stmas.bayern.de/berufsbildung/anerkennung-ausland.

Voraussetzungen

Ein Verfahren auf Gleichwertigkeitsprüfung kann jede Person beantragen, die

  • im Ausland einen Ausbildungsabschluss oder eine sonstige berufliche Qualifizierung erworben hat und
  • beabsichtigt, in Bayern eine Erwerbstätigkeit auszuüben.

Ausbildungsnachweis bedeutet, dass der Antragsteller eine im Ausland abgeschlossene Berufsqualifizierung nachzuweisen hat. Wer keine nachweisbare ausländische Berufsqualifizierung erworben hat, kann keinen Antrag stellen. Berufserfahrung kann nur dann zum Ausgleich von Defiziten in der Ausbildung herangezogen werden, wenn überhaupt eine Qualifizierung im Ausland gemacht wurde. Voraussetzung für den Anspruch auf ein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren ist damit der Nachweis einer sogenannten "Primärqualifikation", die von einer autorisierten Stelle verliehen worden ist.

Erwerbstätigkeitsabsicht bedeutet, dass der Antragssteller die Absicht haben muss, in Bayern erwerbstätig zu sein, d. h. in abhängiger Beschäftigung (Arbeiter, Angestellter, Beamter etc.) oder als Selbständiger (Unternehmer) arbeiten zu wollen.

Generell vermutet wird diese Erwerbstätigkeitsabsicht aufgrund der EU-Grundfreiheiten (Niederlassungsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit) bei Antragstellern mit Wohnsitz in Bayern bzw. innerhalb der EU/EWR oder eines anderen Vertragsstaats sowie bei Staatsangehörigen aus Mitgliedstaaten der EU, eines EWR-Vertragsstaates und eines anderen Vertragsstaats. Die Vermutung kann im Einzelfall aufgrund besonderer Gründe widerlegt werden (z. B. Antragsteller erklärt, dass er Verfahren nur zur Klärung von Rentenansprüchen anstrebt).

Ansonsten muss die Absicht mittels geeigneter Unterlagen nachgewiesen werden. Dies können sein:

  • Beantragung eines Einreisevisums zur Erwerbstätigkeit,
  • Kontaktaufnahme mit potenziellen Arbeitgebern (z. B. Bewerbungsschreiben, Absage von Arbeitgeber),
  • bei geplanter selbständiger Tätigkeit ein Geschäftskonzept oder eine nachgewiesene Kontaktaufnahme mit Gewerbeamt, Finanzamt, Berufsgenossenschaft oder einem Finanzierungsgeber.

Die Antragsteller müssen den Antrag grundsätzlich persönlich stellen. Bevollmächtigungen sind möglich. Nicht möglich ist hingegen die Antragstellung durch potenzielle Arbeitgeber.

Ein Antrag kann unabhängig von der Staatsangehörigkeit und vom Aufenthaltsstatus gestellt werden.

Fristen

keine

Kosten

Die Verfahren nach dem Anerkennungsgesetz sind grundsätzlich gebührenpflichtig. Die Gebühren richten sich nach dem Gebührenrecht der zuständigen Stelle und sind abhängig vom individuellen Aufwand für die Durchführung des Verfahrens.

Da es sich bei den Verfahren um Amtshandlungen des Freistaats Bayern (inklusive der Kammern) handelt, sind die konkreten Gebühren in den Gebühren-/Kostengesetzen des Freistaats Bayern oder den Gebührenordnungen der Kammern geregelt.

Die Kosten sind vom Antragsteller zu tragen, soweit diese nicht durch andere Stellen übernommen werden. Im Grundsatz können die im Rahmen der Gleichwertigkeitsfeststellungen anfallenden Kosten auch von den Arbeitsagenturen oder Jobcentern übernommen werden. Eine vorherige Klärung wird empfohlen.

Die Gebühren können nachträglich, nach Abschluss des Verfahrens oder als Vorschuss, am Anfang des Verfahrens verlangt werden. Die Möglichkeit von Vorschusszahlungen ist im Verwaltungskostenrecht vorgesehen. In diesen Fällen kann der Verfahrensbeginn von einem Zahlungseingang abhängig gemacht werden. Damit ist vor allem bei Anträgen aus dem Ausland zu rechnen.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Gebühren als Betriebsausgaben/Werbungskosten steuerlich geltend zu machen, da sie in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit erstrebten Einnahmen stehen. Dies wirkt sich jedoch nur dann aus, wenn entsprechende Einkünfte zur Verrechnung in der Zukunft vorhanden sind.

Die selbst getragenen Anerkennungskosten können u.U. auch als vorweggenommene Werbungskosten/Betriebsausgaben beim Finanzamt geltend gemacht werden, sodass ein Verlustfeststellungsbescheid für dieses Jahr ergeht. Dieser Verlust kann in späteren Jahren, wenn Einkünfte erzielt werden, durch den sogenannten Verlustvortrag steuermindernd geltend gemacht werden.

In Bayern gilt, dass die Gebühren nach dem Behördenaufwand festgesetzt werden. Dazu kommen noch die Auslagen, die den Behörden entstehen. Da diese vom Einzelfall abhängen ist keine allgemeine Aussage möglich, wie viel Sie für das Anerkennungsverfahren bezahlen werden. Der Gebührenrahmen liegt zwischen fünf und fünfundzwanzigtausend Euro. Oftmals liegen die Gebühren unter 1.000 Euro.

Auslagen können zum Beispiel dann entstehen, wenn die Anerkennungsstelle Übersetzungen anfertigen lassen muss oder eine Prüfung durchführt.

Bitte führen Sie vor Durchführung des Anerkennungsverfahrens mit der für Sie zuständigen Anerkennungsstelle ein Gespräch oder Telefonat, mit welchen Gebühren und Auslagen Sie voraussichtlich zu rechnen haben.

Informationen zum Anerkennungszuschuss finden Sie hier.

Erforderliche Unterlagen

  • Für das Verfahren zur Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation ist die Vorlage bestimmter Unterlagen erforderlich.
    Welche dies sind, variiert im Einzelfall je nach einschlägigem deutschen bzw. bayerischen Referenzberuf. Regelmäßig sind aber folgende Unterlagen vorzulegen:
  • tabellarische Aufstellung der Ausbildungsgänge und gegebenenfalls über die bisher ausgeübten Erwerbstätigkeiten in deutscher Sprache
  • Identitätsnachweis
  • Nachweis des im Ausland erworbenen Ausbildungsabschlusses oder einer sonstigen Qualifizierung mit Übersetzung in deutscher Sprache von einen/einer öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzer/in
  • Nachweise über einschlägige Berufserfahrung (z. B. Arbeitszeugnisse, Arbeitsbücher) mit Übersetzung in deutscher Sprache von einen/einer öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzer/in
  • sonstige Befähigungsnachweise
    z. B. zu beruflichen Weiterbildungen oder Umschulungszeugnisse, sofern diese zur Feststellung der Gleichwertigkeit erforderlich sind, mit Übersetzung in deutscher Sprache von einen/einer öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzer/in
  • eine Erklärung, ob und bei welcher Stelle bereits ein Antrag auf Feststellung der Gleichwertigkeit gestellt wurde, in deutscher Sprache,
  • Nachweis, dass der Antragsteller in Bayern arbeiten will
    z. B. durch Beantragung eines Einreisevisums zur Erwerbstätigkeit, Kontaktaufnahme mit potenziellen Arbeitgebern, Geschäftskonzept bei selbständiger Tätigkeit in deutscher Sprache. Diese Nachweispflicht entfällt für Staatsangehörige der EU/EWR oder sonstigen Vertragsstaats und für Personen, mit Wohnort in der EU/EWR oder sonstigen Vertragsstaats.
  • Sonstige Unterlagen können abhängig vom jeweiligen Beruf gegebenenfalls erforderlich werden, so zum Beispiel:
    • Meldebescheinigung
    • Spätaussiedler-Bescheinigung
    • Heiratsurkunde (bei Namensänderung)
    • Fächeraufstellung und Notenlisten der Ausbildung
    • sonstige Informationen zur Ausbildung im Ausbildungsstaat
    • Auskünfte zu Arbeitgebern
    • erteilter Bescheid eines anderen Bundeslandes

Rechtsgrundlagen

Rechtsbehelf

Weiterführende Links

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Redaktionell verantwortlich

Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (siehe BayernPortal)
Stand: 23.11.2021