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06.07.2014

Napoleons Traumrollen

Ingolstädter Wissenschaftlerin veröffentlicht Buch zu Johann Simon Mayr

Im Rahmen der sogenannten Mayr-Studien ist ein neuer Band, der siebte, erschienen. Dr. Iris Winkler hat darin unter dem Titel „Napoleons Traumrollen Alexander und Trajan im Werk des Komponisten Giovanni Simone Mayr. Musik und Kulturpolitik im napoleonischen Venedig“ dargestellt, wie Musik auch zum Politikum werden kann und dies am Beispiel Napoleon und Simon Mayr erläutert.

Musikprofessor Reinhard Wiesend schreibt über das Buch: „Den in Mendorf geborenen Simon Mayr, oder wie er in seiner Wahlheimat Italien meist genannt worden ist, Giovanni Simone Mayr, muss man in Ingolstadt nicht mehr vorstellen. Denn dort hat in den letzten 20 Jahren die Musikpflege international Aufsehen erregt dadurch, dass sie diesen seinerzeit renommierten Komponisten, Musiktheoretiker und Musikpädagogen auf ihr Schild gehoben und vermehrt und mit Gewinn Musik dieses Vielseitigen aus dem frühen 19. Jahrhundert zur Aufführung gebracht hat.

Daneben hat eher im Verborgenen auch die Forschung sich des Allroundgenies angenommen; sie hat nicht nur Noten und wissenschaftlich anspruchsvolle Ausgaben für die Konzerte bereit gestellt, sondern es kam und kommt immer mehr auch zu einer Überprüfung der musikhistori-schen Einschätzung des Künstlers. Mayrs Rolle wird mit Recht als zentral für jene Zeit gesehen. Dies trifft allein schon zu für die Aufführungszahlen, denn Mayr war zumindest im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts der führende, erfolgreichste Opernkomponist in Italien. Seine Reputation war damals so groß, dass kein geringerer als Napoleon versuchte (allerdings vergeblich), ihn an seinen Hof zu binden.

Jetzt ist ein Meilenstein in die Öffentlichkeit gerückt worden. Die Musikwissenschaftlerin Dr. Iris Winkler hat ein weiteres, übrigens sehr gut lesbares und anschaulich bebildertes Buch über Mayr vorgelegt. Ihr kommt es darauf an, anhand des gewählten Ausschnitts darzulegen, wie Musik zum Politikum werden kann und wie sich dies bei Napoleon, dem Eroberer, in der Musikpflege vor allem der unterworfenen norditalienischen Regionen niederschlägt. Dabei legt sie Wert auf die Feststellung, dass Napoleon der erste moderne Diktator ist, der sich ganz wesentlich und extensiv der Propaganda bedient. Gegenstand ihres Interesses ist also – neben der selbstverständlich soliden Aufarbeitung der Quellen – insbesondere die Vermittlung und Funktionalisierung von Musik, wie sie sich am Beispiel des von ihr gewählten Sonderfalles darstellt.“

„Napoleons Traumrollen Alexander und Trajan im Werk des Komponisten Giovanni Simone Mayr. Musik und Kulturpolitik im napoleonischen Venedig.“(Mayr-Studien, Band 7. Musikverlag Katzbichler München-Salzburg, 2014.)